Vatertag
Oder auch "Warum ich Vatertag hasse"? Nein, so weit würde ich nicht gehen. Ich verbinde mit diesem Tag aber nichts Positives. Zum einen kann ich mich an keinen Vatertag zusammen mit meinem Papa erinnern (wir erinnern uns, dass mein Vater starb als ich 5 war) zum anderen gab es in den letzten 20 Jahren kein positives Erlebnis an diesem Tag (auch kein negatives).
Mir ist heute eine Gegebenheit aus meiner Grundschulzeit eingefallen, die unmittelbar mit dem Vatertag zu tun hat. Wir mussten nämlich einmal im Kunstunterricht zum Vatertag etwas basteln. Nicht nur, dass ich Kunst gehasst habe. Mein Vater war erst 2-3 Jahre vorher verstorben und das wusste meine Lehrerin. Dennoch bestand sie darauf, dass ich das auch basteln soll. So brachte ich also ein Geschenk für meinen Vater nach Hause.
Wie dem auch sei. Auch kam niemand meiner Freunde in den letzten Jahren mal auf die Idee mit mir am Vatertag was zu unternehmen. Ich werde wie jedes Jahr diesen Tag alleine Zuhause verbringen.
Ich frage mich ja manchmal, wie mein Vater heute wäre. Wie er zu meiner Homosexualität steht. Ob er stolz wäre, dass ich studiere, dass ich eine abgeschlossene Berufsausbildung habe. Ich weiß nur aus Erzählungen, dass er mich wohl sehr geliebt hat. ich habe keine einzige Erinnerung an ihn. An nichts aus der Zeit vor seiner Beerdigung. Eben diese sind meine frühsten Erinnerungen überhaupt. Sowas nenn man wohl Trauma …
In diesem Sinne, einen frohen Vatertag.
Kein Podcast
Vor ein paar Tagen habe ich mich tatsächlich hingesetzt und versucht so etwas wie einen Podcast zu machen bzw. einen akustischen Blogeintrag. Wie auch schon hier versprochen.
Ich finde es nicht so toll was ich da zusammengequatscht habe, viel zu viel "äh" und andere Füllwörter. Außerdem habe ich dann irgendwann abgebrochen weil mir auffiel, dass aber einer gewissen Stelle die Zeitangaben völlig falsch waren und haben dann auch ab dem Punkt alles weggeschnitten.
Deshalb ist das hier auch "Kein Podcast". Es ist eher eine Hörprobe. Ihr sollt / könnt mir sagen was ihr davon haltet und ob ich es nochmal versuchen sollte, ab dem Punkt weitermachen soll oder ob ich es ganz lassen soll.
Freue mich über Kommentare
Matthias, wie verbringst du eigentlich Weihnachten?
Weihnachten ist und war für mich so weit ich zurückblicken kann ein schönes Fest im großen Kreise der Familie. Auch dieses Jahr wieder feiere ich gerne Weihnachten mit meiner Familie.
Familie. Was heißt das bei mir? Meine Großeltern sind alle schon seit längerem tot, mein Vater ebenso. Da meine Mama dieses Jahr starb, besteht meine Familie noch aus den Brüdern meines Vaters und dessen Kindern und Enkeln. Ins besondere sind das jedes Jahr mein Onkel Michael mit seiner Verlobten Martina, seine Töchter Nina und Tatjana, nebst Tatjanas Ehemann Daniel und ihren Kindern Marie (3 Jahre) und Jakob (6 Wochen). Leider kommen meine Cousinen erst am 2. Weihnachtsfeiertag. Aber Heiligabend sind außer Michael, Martina und mir noch mein Onkel Andreas und Michaels Schwager Micky nebst seiner Ehefrau Ulrike und den Söhnen Max (16) und Linus (13).
Die letzten 24 jahren waren wir (bis zu 25 Leute) jedes Jahr (mit wenigen Ausnahmen) in einem großen 400 Jahre altem Bauernhaus in Riedholz, Maierhöfen im Allgäu. Meine Mama und ich haben uns jedes Jahr gerne die Mühe gemacht und die fast 700km dorthin zurückgelegt. So viele Erinnerungen die gerade mit diesem Haus, aber auch mit den Erlebnissen und Begnungen dort verbunden sind.
Letztes Jahr, war wohl das letzte das wir in diesem Haus verbracht haben. Dieses Jahr feieren wir im Haus meines Onkel Michael, der dieses Jahr hier eingezogen ist. Es steht in Unterdießen in unmittelbarer Nähe von Landsberg am Lech.
Ich freue mich jedes Jahr auf Weihnachten. Nicht weil es Geschenke gibt, sondern weil ich ein paar Tage mit denen verbringen darf die ich liebe und die mich lieben. Weihnachten ist für mich das Fest der Familie.
Heute vor genau 67 Jahren
Mitten in den Kriegswirren des Jahres 1942 wurde meine Mutter am 12. November in Berlin geboren. Sie erhielt den Namen Karin Agnes Vorbeck. Kurz darauf wurde sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus Berlin nach Thüringen evakuiert. Dort verlebte sie einen Großteil ihrer Kindheit. In den 50er Jahren zog die Familie nach Oldenburg, nachdem auch der Vater aus britischer Gefangenschaft wiederkehrte. In Oldenburg machte sie mit 17 ihren Abschluss an der Handelsschule als Stenotypistin. Sie verliebte sich in einen Mann mit dem sie 1965 in die USA zog. Sie lebte 5 Jahre in Queens, New York.
Sie zog zurück nach Oldenburg, nach dem sich ihr Ehemann nach der Todgeburt ihres Kindes umbrachte. Sie plant nach Berlin zu ziehen und pendelt einige Zeit zwischen diesen Städten. Sie bekam eine Arbeitsstelle bei Otis in Berlin als Funkerin, wo sie, später dann als Verkaufssachbearbeiterin, bis zur Rente (Februar 2004) arbeitete.
Sie lernte dort den gleichalten Aufzugsmonteur Thomas Krone kennen und lieben. Sie heirateten 1974. Sie zogen zusammen und lebten bis 1985 in der Mareschstr. in Neukölln. Während eines Korsika-Urlaubs 1984 zeugten sie ein Kind.
Bei den Voruntersuchungen zur Geburt stellte der Frauenarzt bei meiner Mutter Gebärmutterhalskrebs fest. Es wurde nach einer Lösung gesucht. Zu erst hieß es man müsse das Kind abtreiben. Doch ein kluger Arzt beriet sich auf einem Ärztekongress mit anderen Ärzten und man beschloss, das Kind auszutragen und den nötigen Eingriff dabei vorzunehmen. Man kann also sagen, dass ohne meine Zeugung, der Krebs entdeckt worden wäre. Im 7. Monat wurde ich per Kaiserschnitt geholt und der Krebs wurde, auch mit Hilfe einer Strahlentherapie entfernt. Man zog nach Neukölln-Gropiusstadt.
Irgenwann zwischen meiner Geburt und dem Mauerfall wurde bei meinem Vater Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Es erfolgten unzählige Krankenhausaufenthalte, ein Kehlkopfschnitt wurde vorgenommen. Auch eine schwere Phase der Pflege Zuhause gab es. Es ging ihm besser und schlechter. Letztendlich starb mein Vater am 30. Oktober 1990. Er wurde auf dem Friedhof Alt
-Schmargendorf beerdigt, nicht weit entfernt vom Grab seiner E
ltern.
Nun war Karin alleinerziehende Mutter. Ich ging ab 1991 zur Schule. Bis ich 9 Jahre alt war ging ich in den Hort zur Nachmittagsbetreung. Ab da an war ich Schlüsselkind.
Viele Jahre später, im Jahre 2004 wurde bei Mama Darmkrebs diagnostiziert. Er wurde zwar erfolgreich entfernt, doch nach der Reha, wurde erneut Krebs in einem anderen Teil des Darmes entdeckt. Diese wurde auch entfernt und nach der Chemotherapie war dieser auch besiegt.
2006 häuften sich die Probleme und es wurde inoperabler Krebs im Becken entdeckt. Chemotherapie brachte nur 15% Linderungschancen, so dass sie sich dagegen entschied.
Am 26. März 2
009 (5 Tage nach meinem Geburtstag) verstarb sie im Ricam-Hospiz mit 66 Jahren. Eine Woche später wurde sie nach einer Trauerfeier in der Dorfkirche Alt-Schmargendorf, auf dem selben Friedhof wie ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern, auf einer Gemeinschaftsurnengrabstätte beigesetzt.
Mauerfall
Wie habe ich den Mauerfall erlebt? Vorausgeschickt sei mal, dass ich mich an überhaupt nix erinneren. Mag daran liegen, dass ich erst 4 Jahre alt war bzw. das mein Vater kein Jahr später gestorben ist und ich mich an so gut wie nichts vor der Beerdigung erinnern kann. Darum erzähle ich hier nur was ich aus Erzählungen weiß.
Es ist der 10. November 1989, früh am Morgen. Die Mutter meiner Mama (meine Oma) war in Berlin zu Besuch, weil meine Mama am 12. November Geburtstag hatte. Wir wissen alle noch von nichts was am Vorabend passiert ist. Mama verlässt das Haus und fährt zur Arbeit. Von Oma werde ich etwas später in den Kindergarten gebracht. Auf dem Weg zur Arbeit erfährt Mama über die Ereignisse vom Vorabend, ihr schiessen vor Freude die Tränen in die Augen und sie hält sofort am Straßenrand an um die Nachricht zu verdauen. Mehr weiß ich bis zum Abend nicht zu berichten.
Am selben Abend gehen wir - dass sind: mein Vater (zu diesem Zeitpunkt schon Krebskrank, wie schlecht es ihm zu diesem Zeitpunkt ging, weiß ich nicht), meine Oma, meine Mama, mein Onkel Raimund (ein Bruder von Papa) und ich - zum Brandenburger Tor. Raimund und mein Vater klettern beide auch auf die Mauer, auch wenn Mama nicht so glücklich über diese Aktion war
.
Und ein Stück Mauer hat sich mein Papa an diesem Abend auch noch ergattert, in dessen Besitz ich auch noch immer bin.
meistens wird Gott ganz leise Mensch
meistens wird Gott ganz leise Mensch
die Engel singen nicht
die Könige gehen vorbei
die Hirten bleiben bei ihren Herdenmeistens wird Gott ganz leise Mensch
von der Öffentlichkeit unbemerkt
von den Menschen
nicht zur Kenntnis genommenmeistens wird Gott ganz leise Mensch
in einer kleinen Zweizimmerwohnung
in einem Asylantenheim
in einem Krankenzimmer
in nächtlicher Verzweiflung
in der Stunde der Einsamkeit
in der Freude am geliebten Menschenmeistens wird Gott ganz leise Mensch
wenn Menschen zu Menschen werden
In Erinnerung an meine Mutter.
Diese Zeilen hat mein Onkel auf der Beerdigung meiner Mama vorgelesen. Es berührt mich immernoch, aber wohl eher der Erinnerung wegen. Denn an Gott glaube ich nicht. Manchmal denke ich ein Gottglaube würde mir helfen in meiner Situation, aber ich kann und will nicht an ihn glauben und fühle mich trotz Taufe und Konfirmation kein Stück schuldig dabei. Ich kann aber auch nicht guten Gewissens sagen: "Es gibt definitiv keinen Gott". Darum bezeichne ich mich selbst als Agnostiker.
Eigentlich
Eigentzlich müsste ich hier mal ganz viel schreiben, aber irgendwas ist ja immer. Entweder keine Zeit, Lust, bin Müde oder mir fehlen die passenden Worte. Hier mal kurz eine Liste was so passiert ist:
- Meine Mutter kam Anfang Januar ins Krankenhaus
- Ihr gings sehr sehr schlecht
- Die Ärzten haben nochmal ganz deutlich gemacht das sie nichts machen können und das sie in absehbarer Zeit sterben wird
- Mein Onkel kam und wir haben organisiert das sie auf die Palliativstation im Krankenhaus Havelhöhe konnte
- Sie hat sich gut erholt (mehr oder minder)
- Große Putzaktion zuhause
- Mama ist wieder zuhause
- Und Uni: Ich hab von 5 Klausuren 3 mitgeschrieben und 2 bestanden (einmal 1,0 und einmal 3,3)
- Ich such einen Job
- Bafög kommt immer schwieriger
- Geld ist knapp
- Und heute/gestern (28.02.) waren wir wieder im Krankenhaus, weil Mama sich einen Katheter abgerissen hat (nicht weiter schlimm im nachhinein)
- Und Mama wird langsam nen bischen doof: Sie vergisst Sachen von vor ein paar Minuten, oder was heute Morgen passiert ist, ob der Pfleger da war, sie weiß nicht welcher Monat ist, sie weiß nicht mehr mein Geburtstag. Ich weiß auch nicht ob das von Medikamenten kommt oder wegen der Nierensache oder weil irgendwas vom Tumor aufs Gehirn geht. Das Manchmal mit der Sprache bei ihr schwer ist kommt auf jedenfall von den Medikamenten.
So das solls erstmal gewesen sein. Ich wollt mir das von der Seele schreiben und nur sagen: Ich bin noch da.
Ich komm grad nicht mit Lernen voran also schreib ich kurz was.
So wie es aussieht hat die Operartion meiner Mutter leider nicht geholfen, so zumindest hat meine Mama es mir grad am Telefon mitgeteilt, hat es der Arzt gesagt. Man hat jetzt versucht mit einem Beutel oder so was ähnlichem den Ausfluss "aufzufangen". Das ist vor Allem wichtig, damit sich das nicht immer und immer wieder entzündet und sie nicht so starke Schmerzen hat.
Am Donnerstag will ich ja mit dem Arzt sprechen und das wird wohl auch klappen. Und zu meiner positiven Überraschung kommt auch noch mein Onkel aus Düsseldorf extra mit dem Zug angereist und begleitet mich mit in Krankenhaus und will auch mit dem Arzt sprechen. Ich hole ihn dann am Hauptbahnhof mit dem Auto ab und wir fahren dann gemeinsam in die Klinik.
Ein bischen komisch ist das ja schon, als wolle er das letzte Mal Mama sehen und noch etwas für sie und für mich tun. Vielleicht aber... Ach ich weiß auch nicht.
Und ich? Ich muss jetzt weiter lernen für Web-Programmierung. Welch Freude. Ich wollt ja auch schon gestern lernen, hab das aber irgendwie nicht gebacken bekommen. Und jetzt hab ich zumindest schon die Klausurfragen vor mir liegen und werd die gleich durcharbeiten. Und dann noch Skripte drucken und die dann auch noch lesen / übefliegen.
Schönen Abend noch!


